{"id":677,"date":"2001-08-06T00:00:00","date_gmt":"2001-08-06T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/?p=674"},"modified":"2001-08-06T00:00:00","modified_gmt":"2001-08-06T00:00:00","slug":"674","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ultraned.org\/?p=677","title":{"rendered":"100K Lapland"},"content":{"rendered":"<p>100 km unter der Mitternachtssonne<\/p>\n<p>Ich hatte diesen Lauf im Internet unter http:\/\/www.laplandultra.nu\/ entdeckt und f\u00fcr mich stand fest, da muss ich hin. Der mehrsprachigen Homepage war zu entnehmen 1999: 27 Starter, 14 Finisher; 2000: 25 Starter, 13 Finisher. Das reizte mich besonders, da mir das Laufen im Rudel eines Stadtmarathons ohnehin keinen Spa\u00df bereitet. Der Lappland-Ultra ist in keiner Hinsicht mit einem anderen 100er vergleichbar. Bereits schon die Anreise von Erfurt in Th\u00fcringen bis nach Adak, etwa 100 km unterhalb des n\u00f6rdlichen Polarkreises, legt einen Urlaubsaufenthalt im Norden Schwedens nahe. Man f\u00e4hrt ja nicht eben mal so 2.500 km mit dem Auto zum Start und dann wieder zur\u00fcck. Au\u00dferdem, wo anders auf diesem Planet kann man 100 km in der Mitternachtssonne laufen? Gesagt, getan. Die anf\u00e4ngliche Skepsis meiner Frau wich sehr schnell und es sollte f\u00fcr uns eine der sch\u00f6nsten Urlaubsreisen werden.<br \/>\nAus unserem Kleinbus wurden die hinteren Sitzreihen entfernt, Zelt, Faltboote, Proviant und ausreichend Treibstoff (Pflanzen\u00f6l) f\u00fcr die ganze Reise eingeladen. Mit Husky- H\u00fcndin auf dem Gep\u00e4ckhaufen ging die Reise \u00fcber Rostock, Trelleborg, \u00d6stersund nach Mal\u00e5, wo wir f\u00fcr eine Woche unser Zelt aufschlugen.<br \/>\nStart und Ziel des Laufs sind in Adak, einem kleinen vertr\u00e4umten Ort mit etwa 250 Einwohnern, der in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Vergn\u00fcgungszentrum der Bergarbeiter in der Goldregion in Lapland war. Am Freitag, den 29. Juni 2001, ist auf dem Schulgel\u00e4nde und dem angrenzenden Sportplatz Volksfeststimmung. Die Einwohner der Umgebung treffen sich, es wird gebraten, ein Chor singt Volkslieder und f\u00fchrt Volkst\u00e4nze aus Skandinavien auf. Ein Countrys\u00e4nger sorgt f\u00fcr Stimmung. Es werden an St\u00e4nden verschiedene Kunstgewerbeartikel und Kitsch feilgeboten. Ein US- Car Club f\u00fchrt auf dem Sportplatz alte amerikanische Stra\u00dfenkreuzer vor. Man schwatzt mit einander und in einem Samizelt kann man Rentierfelle und ger\u00e4uchertes Rentierfleisch kaufen. Alles sehr famili\u00e4r. Es geht langsam auf 10 Uhr zu und es wird zum Start aufgerufen.<br \/>\nDas Starterfeld ist sehr \u00fcberschaubar. 49 L\u00e4uferinnen und L\u00e4ufer gehen an den Start. Der Gro\u00dfteil kommt nat\u00fcrlich aus Schweden. Einige kommen aus Finnland und Norwegen. Erstmals starten auch 7 L\u00e4ufer aus Deutschland, ein Engl\u00e4nder und ein Wei\u00dfrusse. Einige Starter schauen etwas ungl\u00e4ubig auf meine Husky- H\u00fcndin Laika, die bereits seit 5 Jahren meine st\u00e4ndige Laufbegleiterin ist. Ob der Hund die Strecke schaffen wird? Nat\u00fcrlich!<br \/>\nDie Startlinie befindet sich am Ortsausgang auf der Stra\u00dfe nach Koktr\u00e4sk. Um 10 Uhr abends f\u00e4llt unter gro\u00dfem Beifall der etwa 100 Zuschauer der Startschuss. Die Sonne steht im Nordwesten noch hoch \u00fcber dem Horizont. Es ist angenehm warm. Das L\u00e4uferfeld zieht sich auf den ersten Kilometern sehr schnell auseinander. Man und Frau l\u00e4uft mit sich allein. An der Reihenfolge soll sich im wesentlichen bis zum Zieleinlauf nichts \u00e4ndern. Nach etwa 10 km verlassen wir die Asphaltstra\u00dfe und biegen auf eine der unz\u00e4hligen Schotterpisten Lapplands ein. Die kommenden Kilometer sind teilweise schwierig zu laufen, weil der Untergrund aus etwas grobem Kies besteht und relativ weich ist. Ich versuche st\u00e4ndig auf einem festgefahrenen St\u00fcck zu laufen. Es geht an weiten Seen und S\u00fcmpfen vorbei. Die Sonne neigt sich dem Horizont zu, doch es ist immer noch taghell. Das Abendrot geht flie\u00dfend in das Morgenrot \u00fcber und nach 1 Uhr schaut die Sonne bereits wieder \u00fcber den Horizont. Ich stelle fest, dass ich mich zu einem etwas zu schnellen Tempo habe verleiten lassen. Aber es geht mir blendend und Laika trippelt munter vor mir her. Etwas nervig sind die Begleitfahrzeuge, die zwar sehr gro\u00dfer R\u00fccksicht auf die L\u00e4ufer nehmen, aber daf\u00fcr  viel Staub aufwirbeln.<br \/>\nMit dem Kilometer 27 erreichen wir das Korsningen Wasserkraftwerk. Der Fluss Skelleftel\u00e4lven wir hier zu einem gro\u00dfen See aufgestaut. Die Laufstrecke folgt an einigen Stellen diesem See. Ein erster Anstieg l\u00e4sst mich ins wandern \u00fcbergehen. Der Weg ist etwas schwierig zu laufen, da es st\u00e4ndig auf und ab geht. Die Versorgung ist ausgezeichnet. Etwa alle 5 bis 7 km sind kleine, mit bunten Luftballons geschm\u00fcckten Bretterbuden aufgebaut, in denen freundliche Helfer, teilweise in den farbigen Trachten der Sami gekleidet, sehr liebevoll f\u00fcr das leibliche Wohl der L\u00e4uferschar sorgen. Es gibt Wasser, Cola, ein isothonisches Getr\u00e4nk, Tee, Banane, Wei\u00dfbrotst\u00fccke, Schokolade und Orangen sowie an einigen Stellen warme Br\u00fche. Auch f\u00fcr medizinische Betreuung ist gesorgt, an einigen Streckenpunkten werden Massagen angeboten und ein Fahrzeug des Roten Kreuzes \u00fcberholt mich des\u00f6fteren auf der Strecke.<br \/>\nDie Stimmung auf der Strecke ist fantastisch, von allen Helfern an den Stationen und aus den \u00fcberholenden Begleitfahrzeugen werden wir angefeuert und aufgemuntert.<br \/>\nDie 40 km laufe ich in etwa 4 Stunden. F\u00fcr die 50 km ben\u00f6tige ich 5 Stunden. Viel zu schnell f\u00fcr einen 100er. Es ist fast wolkenlos und in der Morgend\u00e4mmerung wird es doch etwas k\u00fchl. Nach der Marathonmarke geht es auf der Schotterpiste nahezu geradeaus, daf\u00fcr ist der Untergrund fest und gut zu laufen. Einzige Abwechslung bieten die Landschaft und die V\u00f6gel, die durch die fehlende Dunkelheit nicht zu schlafen scheinen. Aufgeregt ruft ein Kuckuck. Die aufsteigende Sonne w\u00e4rmt langsam meinen K\u00f6rper.<br \/>\nNach 57 km erreichen wir die Fernstra\u00dfe 45 von Arvidsjaur nach Sorsele. Nach 7 weiteren, mir lang erscheinenden, Kilometern erreiche ich den Wendepunkt der Strecke. In Slagn\u00e4s, einer kleinen Ansammlung von H\u00e4usern sind 64 km erreicht. Hier befindet sich ein sch\u00f6ner Campingplatz. Laika wird vom Jagdtrieb gepackt, weil an der Verpflegungsbude etliche Enten, Ziegen und Schafe frei umherlaufen. Ich habe M\u00fche sie zu halten.<br \/>\nWeiter gehts. Von hier sind es nur noch 36 Asphaltkilometer bis zum Ziel in Adak. Nun wird es immer schwerer, die Kr\u00e4fte lassen sp\u00fcrbar nach. Das grobe Asphaltband will kein Ende nehmen. Von Sunnan\u00e5 bis Skidn\u00e4s sind auf einer L\u00e4nge von vier Kilometeren nochmals etwa 100 H\u00f6henmeter zu \u00fcberwinden. Ich sehne mich mittlerweile nach jedem Anstieg, der mir etwas k\u00f6rperlicher Erholung verschafft. Ein stechender Schmerz unter dem linken Fu\u00dfballen schreckt mich auf. Kleine Steinchen im Schuh haben mit der Zeit eine schmerzende Blase entstehen lassen. Schuh ausziehen, alles reinigen und weiter. Die Landschaft nehme ich nun kaum noch wahr. Mein Blick ist vor mir auf das endlos erscheinende Asphaltband gerichtet. Es ist nun wieder sehr warm geworden. Laika rei\u00dft mich in den Stra\u00dfengraben. Sie will saufen. Auch ihr ist die Anstrengung anzumerken. Sie s\u00e4uft nun sehr oft. An den Verpflegungsstellen frisst sie Schokolade.<br \/>\nWir erreichen L\u00f6n\u00e5s. Gott sei Dank! Nur noch 10 km bis ins Ziel. Alle kleinen Anstiege muss ich nun gehen. Dabei tr\u00f6ste ich mich, auch wenn ich von nun an wandern w\u00fcrde, k\u00f6nnte ich das Ziel noch in einer akzeptablen Zeit erreichen. Durchhalten! Ich sehe die ersten H\u00e4user von Adak. Noch zwei Kilometer, dann im Ort eine Kurve, noch eine lange Gerade.<br \/>\nGl\u00fccklich erreiche ich mit Laika nach 10:59:48 Stunden das Ziel. Meine Frau empf\u00e4ngt mich mit einem Siegerkranz aus Birkenzweigen. Erstes Fazit: pers\u00f6nliche Bestzeit, Rang 8 in der Gesamtwertung, fix und fertig und eine Blase unter dem linken Fu\u00df. Nun noch ein Photo mit einer h\u00fcbschen Samifrau. Dieses Bild wird auch auf die Urkunde gedruckt. Eine kleine fast unscheinbare Medaille erinnert mich an den Lappland-Ultra 2001.<br \/>\nVon 49 Startern erreichen 30 nach 100 km das Ziel. Der Streckenrekord wurde im letzten Jahr von dem Schweden Anders Krappe mit 8:47:18 aufgestellt. Den Streckenrekord der Frauen h\u00e4lt seit diesem Jahr Clarinda Larsson aus Stockholm mit 11:12:47. Schnellster Deutscher wurde Axel Pfeiffer aus Frankfurt mit 9:40:11. Er belegte Platz 4. Sein Laufbericht ist unter http:\/\/www.laplandultra.nu zu finden.<br \/>\nMit Abstand ist der Lapland- Ultra in jeder Hinsicht bisher mein sch\u00f6nster Ultra gewesen. Auch die in den darauffolgenden Tagen gesammelten Eindr\u00fccke von unserem Urlaub in Lappland werden unvergessen bleiben.<\/p>\n<p>Stephan Hloucal  im Juli 2001<\/p>\n<p>PS from Anton Smeets:<br \/>\nResults on the latest 100K race can be found on http:\/\/www.laplandultra.nu\/r2001.html#D100km<br \/>\nFor the moment we do not know if it is an official (IAAf) measured course road race, or anything in between. Also from point of view of IAU we would like to know more bout this race and things going on in Lapland.<br \/>\na.smeets@trouwweb.nl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>100 km unter der Mitternachtssonne. With results as well.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-677","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-niet-gecategoriseerd"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ultraned.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/677","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ultraned.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ultraned.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ultraned.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ultraned.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=677"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ultraned.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/677\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ultraned.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=677"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ultraned.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=677"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ultraned.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}